Am Freitag fand einmal mehr der alljährliche Chästeilet im Justistal in Sigrisiwl, das ist das Heimatdorf meiner Mutter, statt. An diesem Anlass wird der Käse, der den Sommer über auf den Alpen im Tal produziert wurde, unter den Genossenschaftern ausgelost und aufgeteilt.

Meine Grossmutter hat von ihrer Tante ein sogenanntes «Bergrecht» vererbt bekommen. Damit hat der Besitzer das Recht, den Sommer über eine Kuh auf der Alp zu sömmern und dann eben am Ende des Sommers den Käse dafür zu erhalten. Gleichzeitig verpflichtet man sich dazu, einige Tage auf der Alp zu arbeiten und für mögliche Unkosten und den Lohn des Senns zu bezahlen. Da das Ganze genossenschaftlich organisiert ist, sind das für die einzelnen Genossenschafter nicht horrende Beiträge. Jeder hilft und packt mit an und das gefällt mir.

Nach dem Chästeilet durfte ich bei meiner Mutter im Garten Gemüse ernten und einen schönen Dahlienblumenstrauss für mich binden. Wer das Gefühl eines eigenen Gartens nie erlebt hat, wird vielleicht nicht verstehen, warum es mich so glücklich macht, Gemüse zu ernten und warum ich so traurig darüber bin, dass ich keinen Garten habe. Ich wünsche mir ganz fest, eines Tages selber einen Gemüse- und Blumengarten anlegen zu können.

Als ich mit meiner stolzen Krautsiel-Ausbeute (auf Deutsch heisst das Gemüse Mangold) ins Haus kam, meinte mein Bruder, ich solle noch viel mehr davon nehmen, er könne ihn nicht mehr sehen. Dieses Gespräch hat mich zum Grübeln gebracht. Ich liebe Krautstiel. Aber ich finde auch, dass dieses Gemüse mit etwas mehr Liebe gekocht und nicht einfach nur aus dem Salzwasser gezogen werden sollte. Wird er aber etwas deftiger und mit viel Liebe serviert, dann schmeckt er wirklich hervorragend. Daher habe ich aus dem Mangold aus dem Garten meiner Mutter und unserem Käse aus dem Justistal einen feinen Krautstielkuchen mit Alpkäse gebacken.

Und so wird der Kuchen zubereitet.

Zutaten Teig: 200 g Mehl, 50 g Butter, ½ TL Salz, etwas Wasser

Zutaten Belag: 500 g Gemüse (Krautstiele, drei kleine Kartoffel, 1 gehackte Zwiebel), 1 Ei, 2 dl Halbrahm, 100 g geriebener Alpkäse, 1 Tasse Gemüsefond, Kräuter nach Wahl, Salz und Pfeffer.

Zubereitung: Zuerst wird der Teig für den Kuchen vorbereitet. Dazu Mehl, Butter und Salz in einer Schüssel vermengen und einen Schuss Wasser dazugeben. Das Ganze gut durchkneten, auswallen und in eine runde, mit Blechreinpapier ausgelegte Kuchenform geben. Den Boden mit einer Gabel einstechen und im Kühlschrank kaltstellen.

Für den Belag die Zwiebel, die Kartoffeln und die gewaschenen Krautstiele klein schneiden. Das Grünzeug darf ebenfalls dazu gegeben werden. Es enthält viele wichtige Nährstoffe. Etwas Butter in eine Pfanne geben und das Gemüse andünsten und mit dem Gemüsefond ablöschen. Das Ganze ein paar Minute weiterköcheln lassen und zusätzlich mit Salz, Pfeffer und Kräutern würzen. Den Rahm und das Ei vermischen und zusammen mit dem Käse unter das Gemüse rühren. Das Ganze auf dem Blech mit dem Kuchenteig verteilen und 20 bis 30 Minuten im auf 180 Grad vorgeheizten Backofen backen. Der Kuchen schmeckt am besten, wenn man ihn vor dem Servieren etwas auskühlen lässt. Er lässt sich so dann auch besser schneiden.

Ich hoffe, dass ich Euch mit diesem Rezept einen neuen Weg zum Kochen der etwas unterschätzten Krautstiele aufzeigen konnte. Wenn man sich nur etwas Mühe gibt und das richtige Rezept hat, kann man fast aus jedem Gemüse etwas Feines zaubern.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Backen und «E Guete»!

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