Wenn es um Madeleines geht, halte ich es wie Marcel Proust. Ich liebe sie und ich glaube definitiv auch, dass alleine ein Bissen von einem Madeleine die Welt ein bisschen schöner und besser werden lässt. Aber lest zuerst selber, wie wundervoll er in seinem Buch «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» den Genuss von Madeleines beschrieben hat:

«Als meine Mutter an einem Wintertage, an dem ich durchfroren nach Hause kam, mir vorschlug, ich solle entgegen meiner Gewohnheit eine Tasse Tee zu mir nehmen. Ich lehnte erst ab, besann mich dann aber, ich weiß nicht warum, eines anderen. Sie ließ darauf eines jener dicken ovalen Sandtörtchen holen, die man ‚Madeleine‘ nennt und die aussehen, als habe man als Form dafür die gefächerte Schale einer St.-Jakobs-Muschel benutzt. Gleich darauf führte ich, bedrückt durch den trüben Tag und die Aussicht auf den traurigen folgenden, einen Löffel Tee mit dem aufgeweichten kleinen Stück Madeleine darin an die Lippen. In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Mit einem Schlage waren mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen zu harmlosen Missgeschicken, seine Kürze zu einem bloßen Trug unsrer Sinne geworden; es vollzog sich damit in mir, was sonst die Liebe vermag, gleichzeitig aber fühlte ich mich von einer köstlichen Substanz erfüllt: oder diese Substanz war vielmehr nicht in mir, sondern ich war sie selbst. Ich hatte aufgehört mich mittelmässig, zufallsbedingt, sterblich zu fühlen.»

In letzter Zeit hat das Leben meinen Lieben und mir auch einiges an Wechselfällen beschert… Daher hatte auch ich das dringende Bedürfnis die Katastrophen auf die Grösse eines Missgeschickes zu minimieren und so habe ich Madeleines gebacken. Da sich der Herbst im Moment von seiner lieblichsten Seite zeigt und viele meiner schönsten Kindheitserinnerungen mit dem Herbst verbunden sind, habe ich für einmal nicht Madeleines aus Weissmehl und mit Zitronen-Vanille-Geschmack gebacken, sondern welche aus Kastanienmehl gemacht. Als Kind hat mein Vater oft im Herbst Marroni über dem offenen Feuer geröstet und ich fand das immer sehr schön. Einfach weil es um das Feuer herum so gemütlich war und ich bis heute den Geschmack von Marroni über alles liebe. Mit den Esskastanien ist das ja so eine Sache: Entweder mag man sie oder man mag sie gar nicht. In unserer Familie gibt es da sehr unterschiedliche Auffassungen und so konnten mein Vater und ich die Marroni meist alleine essen…

Madeleines aus Marronimehl sind für mich also sozusagen Gebäck gewordene Gemütlichkeit. Und weil sie so gut schmecken (und erst noch glutenfrei sind, was ja für viele auch ein Thema ist) will ich das Rezept dafür mit Euch teilen.

Zutaten: 3 Eier, 150 g Zucker, 200 g Marronimehl, 150 g weiche Butter, 1 gestrichener EL Vanillezucker, 1 gestrichener EL Backpulver, 2 EL Obstbrand

Zubereitung: Die Eier und den Zucker zusammen hell rühren. Die restlichen Zutaten beifügen und zu einem glatten Teig verrühren. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Die Madeleine-Förmchen mit Butter einfetten und Mehl bestäuben (bei Silikonformen ist das nicht notwendig), mit einem Löffel den Teig in den Förmchen verteilen (es reicht, wenn man die Förmchen nur zur Hälfte füllt) und die Madeleines 10 bis 12 Minuten backen. Die Madeleines noch in heissem Zustand aus der Form lösen (das Morronimehl klebt stark und wenn die Madeleines ausgekühlt sind, lassen sie sich nicht mehr aus der Form lösen) und auskühlen lassen.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Backen und «E Guete»!

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