Letztes Wochenende war bei mir prall gefüllt. Nach dem Geburtstagsessen am Samstag (über das ich hier berichtet habe), ging es für mich am Sonntag an den 7. Zürcher Slow Food Market. Ich war dort nicht als Bloggerin, sondern für meine Arbeit als Redaktorin und Journalistin einer Schweizer Agrarzeitung. Mir ist der Unterschied deshalb so wichtig, weil ich der Meinung bin, dass ich als Journalistin mehr innerliche Distanz zu den Dingen bewahren sollte, als ich das tue, wenn ich auf meinem Blog etwas schreibe. Ich muss vorab gestehen, dass ich zuvor noch nie auf einem Slow Food Markt war, auch wenn ich jede Form von Märkten mag und immer nach einer Gelegenheit für einen Marktbesuch suche.

Slow Food ist eine Bewegung, die ums Jahr 2006 in Italien entstanden ist. Alleine das ist mir sympathisch, da ich selber in Florenz gelebt habe und Italien heiss und innig liebe (auf meinem anderen Blog www.signorapinella.ch habe ich viel darüber berichtet). Und ja, das Geniessen haben die Italiener quasi erfunden, das habe ich hautnah miterlebt. Bei Slow Food geht es einerseits um den Erhalt regionaler Spezialitäten und anderseits um ein bewusstes und genussvolles Essen.

Eine ganze Standreihe war für die Schweizer Pärke reserviert worden, die sich nicht nur durch schöne Landschaften und eine reiche Biodiversität auszeichnen, sondern deren Mitglieder sich auch das Bewahren der regionalen Kulturgüter zum Ziel gesetzt haben. „Dazu gehören ganz klar auch die regionalen Spezialitäten“, erklärte mir die Eventmitarbeiterin Infomobil Christine Besek, welche den Bündner Parc Ela am Slow Food Market vorstellte. Innerhalb des Naturparks Ela ist die Genossenschaft Gran Alpin angesiedelt. Sie besteht aus Bündner Bergbauern, die auf ihren biologisch bewirtschafteten Betrieben Getreide anbauen und deren Betriebe auf über 1000 Meter über Meer liegen und unter anderem Rollgerste produzieren. Da ich diese regionalen Geschichten sehr mag, hatte es mir diesen Teil des Marktes besonders angetan und dementsprechend lange bin ich dort verweilt.

Meinen Marktbesuch habe ich dann mit einem Besuch im Kochstudio abgerundet, wo ich mir angesehen habe, wie der Messerschmied Marco Guldimann ein Bio-Freilandhuhn zerlegte, welches dann von Duri Campell auf dem Keramikgrill „Big Green Egg“ zubereitet wurde. Kommentiert wurde das Ganze von meiner Blogger-Kollegin und Fleischexpertin Nicole Hasler (hier geht’s zu ihrem Blog). Geliefert hatte das Huhn Moritz Maier von der Internetplattform kuhteilen.ch, deren Betreiber sich für den bewussten Fleischkonsum stark machen und Tiere erst schlachten lassen, wenn sie komplett verkauft sind.

Anhand einer Bouillon, aus dem Kamm und den Füssen des Huhns, Spiessen aus Hühnerherzen, Crostini mit Hühnerleberaufstrich, gegrillter Hühnerleber und einem geschmorten Huhn, zeigten die vier Protagonisten, dass alle Teile eines Huhns komplett verwertet und erst noch schmackhaft zubereitet werden können. Wir Besucher hatten die Gelegenheit alles zu probieren. Mir haben die Leber Crostini sehr zugesagt, denn die Leber Crostini der Italienischen Küche liebe ich besonders und diejenigen aus Hühnerleber kamen geschmacklich ganz nahe an die in meinem liebsten Florentiner Restaurant.

Und würde ich hier als Journalistin schreiben, wäre der Artikel nun zu Ende… Da ich hier aber im wahrsten Sinne des Wortes frisch von der Leber weg schreiben darf, erlaube ich mir noch ein paar Gedanken mit Euch zu teilen.

Ich finde es sehr positiv, dass sich Menschen wie die Mitglieder der Slow Food Bewegung für gesundes und qualitativ hochwertiges Essen und den Erhalt alter Sorten einsetzen. Meine Mutter sagt immer, dass das Essen Leib und Seele zusammenhalte und daher so wichtig sei. Ich mag die Idee, dass das Kochen und Essen genügend Raum im Alltag bekommt. Aber ich muss auch gestehen, dass ich mich ab und zu etwas schwer damit tue, wenn das Essen zu viel Raum einnimmt und gerade an solchen Anlässen bekommt man ab und zu den Eindruck, dass sich Menschen mit schier religiösem Eifer mit ihrer Nahrung beschäftigen. So viel Platz möchte ich persönlich meiner Nahrung einfach nicht einräumen. Denn für mich zählt bei einer Mahlzeit nicht nur das Essen, sondern auch der soziale Charakter davon. Ich liebe es, wenn man sich um einen Tisch versammelt, zusammen über Gott und die Welt spricht und dazu dann eben etwas Gutes isst. Die Italiener haben diese Kunst perfektioniert und ich bin fest überzeugt, dass sie bei der Gründung der Slow Food Bewegung auch an die Wichtigkeit des Zusammenseins und Zusammengenissesens gedacht haben.

Jedem, der sich für spannende Produzenten und Produkte interessiert und der auch bereit ist etwas mehr für sein Essen auszugeben, dem kann ich den Besuch eines Slow Food Marktes aber wärmstens empfehlen. Auf www.slowfood.ch findet Ihr weitere Informationen.

Ich hoffe, dass Euch der virtuelle Marktbesuch mit mir gefallen hat und solltet Ihr auch einen machen, wünsche ich Euch „E Guete“ beim Probieren der vielen Feinen Sachen (übertreibt es einfach nicht, denn diesen Fehler habe ich gemacht und es dann eine Nacht lang bitter bereut und gebüsst, aber das ging mir nach den üppigen Essen in Italien jeweils nicht anders…;)!

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